Orientierungsliste für Jäger:innen (Wildbrethygiene, Zoonose-Schutz, Tierseuchen). Bei Verdacht auf eine meldepflichtige Tierseuche besteht eine unverzügliche Meldepflicht beim Veterinäramt. Die Genusstauglichkeit ist im Einzelfall durch eine kundige Person bzw. die amtliche Untersuchung zu beurteilen.
🔍 Krankheit eingrenzen
Tierart wählen und beobachtete Merkmale ankreuzen – passende Wildkrankheiten werden vorgeschlagen. Ersetzt keine fachkundige bzw. amtliche Untersuchung.
Wildkrankheiten
Viruserkrankungen
Tollwut
Viruserkrankung des Nervensystems mit für Mensch und Tier praktisch immer tödlichem Verlauf; in Deutschland heute nur noch bei Fledermäusen. Inkubationszeit 3 Wochen bis 6 Monate.
Aujeszkysche Krankheit
auch: Pseudowut
Meist tödlich verlaufende Viruserkrankung; sehr umweltstabiles Virus. Allgemeine Meldepflicht für Hausschweine, nicht für Schwarzwild. Inkubationszeit 2–6 Tage.
Klassische/Afrikanische Schweinepest (KSP/ASP)
auch: ESP, KSP, ASP, Schweinepest
Hochansteckende, für Schweine tödliche Viruserkrankung mit großer Verschleppungsgefahr und hohen wirtschaftlichen Schäden; keine Zoonose. Virus ist sehr umweltresistent. Relevant ist v. a. die ASP.
Maul- und Klauenseuche (MKS)
Hochansteckende Viruserkrankung der Klauentiere; betrifft v. a. Haustiere, selten Schalenwild.
Blauzungenkrankheit
Durch Stechmücken (Gnitzen) übertragene Viruserkrankung der Wiederkäuer; keine Zoonose.
Epizootische Hämorrhagie der Hirsche (EHD)
auch: Enzootische Hämorrhagie, EHD
Durch Gnitzen übertragene Viruserkrankung der Geweihträger (z. B. Rotwild).
Geflügelpest (Vogelgrippe)
auch: Vogelgrippe, Klassische Geflügelpest, Atypische Geflügelpest
Hochansteckende Viruserkrankung der Vögel mit Verschleppung über weite Strecken durch Zugvögel; selten Zoonose bei intensivem Kontakt. Erster Hinweis sind oft gehäufte Todesfälle von Wildvögeln.
Myxomatose
Viruserkrankung der Kaninchen mit hoher Sterblichkeit und Verschleppungsgefahr. Inkubationszeit 2–6 Tage.
RHD / Chinaseuche
auch: Rabbit Haemorrhagic Disease, RHD, Chinaseuche
Hochansteckende Viruserkrankung der Wildkaninchen mit sehr hoher Sterblichkeit (5–100 %), tödlich in 12–48 Stunden; führt zu hohen Bestandseinbrüchen. Inkubationszeit 1–3 Tage.
European Brown Hare Syndrom (EBHS)
auch: EBHS
Virale Leberentzündung des Feldhasen mit sehr hoher Sterblichkeit (bis 100 %) und hohen Bestandsverlusten; ungefährlich für Mensch und andere Tiere.
Staupe
Häufig tödliche Viruserkrankung; betrifft v. a. Jagdhunde, Fuchs, Waschbär und Marderartige. Inkubationszeit 6–8 Tage.
Ansteckende Leberentzündung des Hundes
auch: Hepatitis contagiosa canis, Hepatitis
Infektiöse, virusvermittelte Leberentzündung; betrifft v. a. Hunde, insbesondere Junghunde, sowie Füchse.
Zwingerhusten
Multifaktorielle Atemwegserkrankung des Hundes (viral, bakteriell, bei Abwehrschwäche). Vorsicht bei Welpenschulen und Tierheimen.
Parvovirose
Virusinfektion v. a. der Hunde; bei Welpen ist ein schneller Tod möglich.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
auch: FSME
Durch Zecken übertragene Viruserkrankung; gefährlich vor allem für den Menschen.
Hepatitis E
Viruserkrankung; beim Schwarzwild meist symptomlos, aber auf den Menschen übertragbar.
Hantavirus
auch: Hantavirose
Nagetiere (v. a. Rötelmaus) und Ratten sind die natürlichen Wirte; beim Menschen kann eine Hantavirose mit tödlichem Verlauf ausgelöst werden.
Bakterielle Krankheiten
Tuberkulose
Bakterielle Erkrankung mit Knotenbildung an Organen; Zoonose mit Seuchengefahr.
Brucellose
Bakterielle Erkrankung; betrifft v. a. Haustiere, selten Wildtiere; Zoonose und allgemein meldepflichtig.
Milzbrand
Hochgefährliche bakterielle Erkrankung; betrifft v. a. Haustiere; Zoonose mit Seuchengefahr und allgemeiner Meldepflicht.
Tularämie (Nagerpest)
auch: Nagerpest, Hasenpest
Bakterielle Erkrankung der Hasenartigen; häufig tödlich mit hohen Bestandsverlusten; gefährliche Zoonose.
Pseudotuberkulose (Nagerseuche)
auch: Nagerseuche, Yersiniose
Bakterielle Erkrankung der Hasenartigen; häufig tödlich mit hohen Bestandsverlusten bei Seuchen; Zoonose.
Pasteurellose (Hasenseuche)
auch: Hasenseuche
Bakterielle Erkrankung mit Seuchengefahr; betrifft Hase, Wildkaninchen und Schalenwild.
Staphylokokkose
auch: Eiterkrankheit
Bakterielle Erkrankung mit Befall einzelner Stücke; fast immer tödlich.
Salmonellose
Bakterielle Magen-Darm-Erkrankung bei Säugetieren und Vögeln; Zoonose.
Botulismus (Fleischvergiftung)
auch: Fleischvergiftung
Vergiftung durch das Bakteriengift Botulinumtoxin; betrifft u. a. Wasservögel; Seuchengefahr.
Borreliose
Durch Zecken übertragene bakterielle Erkrankung; Zoonose.
Listeriose
Bakterielle Erkrankung; betrifft Reh-, Rot-, Dam-, Gamswild u. a.; Zoonose.
Rotlauf
auch: Schweinerotlauf
Bakterielle Erkrankung; betrifft Hausschweine und Schwarzwild; Zoonose.
Rauschbrand
Bakterielle Erkrankung des Schalenwilds mit Seuchengefahr.
Strahlenpilzerkrankung (Aktinomykose)
auch: Aktinomykose, Knochenaktinomykose, Weichteilaktinomykose
Bakterielle Erkrankung durch Strahlenpilze; keine Übertragung unter Tieren; in der Regel genusstauglich und keine Zoonose. Infektionsweg über die Äsung.
Gamsblindheit
auch: Infektiöse Horn- und Bindehautentzündung
Infektiöse Horn- und Bindehautentzündung; betrifft v. a. Gamswild, seltener Stein- und Rehwild; in der Regel genusstauglich.
Leptospirose
auch: Stuttgarter Hundeseuche
Bakterielle Erkrankung; betrifft v. a. Hunde, Füchse, Mäuse und Ratten; Ansteckungsgefahr für den Menschen.
Moderhinke
auch: Schalenkrankheit
Klauenerkrankung v. a. des Muffelwilds, begünstigt durch ungenügende Abnutzung der Schalen auf zu weichen Böden.
Ornithose
auch: Papageienkrankheit
Bakterielle Erkrankung der Vögel; Zoonose.
Geflügelcholera
Bakterielle Erkrankung der Vögel (Hausvögel) mit Seuchengefahr.
Parasitosen (Innen- und Außenparasiten)
Trichinose (Trichinen)
auch: Trichinen
Durch Trichinen (Würmer) hervorgerufene Erkrankung; Befall der Muskulatur. Übertragung auf den Menschen durch Verzehr von infiziertem Fleisch; amtliche Trichinenschau bei Schwarzwild und Dachs vorgeschrieben.
Räude (Grabmilben)
auch: Räudemilben (Grabmilben)
Durch Grabmilben verursachte, stark juckende Hauterkrankung; bei Bauhunden (Fuchsjagd) erhöhte Ansteckungsgefahr.
Krätze (Haarbalgmilben)
auch: Haarbalgmilben
Durch Haarbalgmilben verursachte, sehr hartnäckige Hauterkrankung; Milben schmarotzen in Haarbälgen und Talgdrüsen. Erhöhte Ansteckungsgefahr für den Menschen.
Fuchsbandwurm (Echinokokkose)
auch: Echinococcus multilocularis, fünfgliedriger Fuchsbandwurm, Echinokokkose
Bandwurm mit dem Fuchs als Hauptendwirt; Zwischenwirte sind Kleinsäuger (Mäuse, Bisam). Für den Menschen als Fehlzwischenwirt lebensgefährlich; Eier sehr umweltrobust.
Hundebandwurm
auch: dreigliedriger Hundebandwurm, Echinococcus granulosus, geränderter Hundebandwurm
Bandwurm mit dem Hund als Hauptendwirt; Zwischenwirte sind Wiederkäuer (Finnenblasen in der Leber). Mensch kann als Zwischenwirt lebensgefährlich erkranken.
Bandwurmbefall (Finnen)
auch: Kürbiskernförmiger Bandwurm, Gesägter Bandwurm, Geränderter Bandwurm, Echinokokken
Wild dient je nach Bandwurmart als Zwischenwirt; im Aufbruch finden sich Finnen bzw. Finnenblasen. In der Regel genusstauglich, solange keine bedenklichen Merkmale vorliegen.
Leberegelbefall
auch: Großer Leberegel, Kleiner Leberegel
Befall mit Saugwürmern (Leberegel); kein bedenkliches Merkmal, Wildbret außer der Leber genusstauglich. Keine Meldepflicht.
Lungenwurmbefall
auch: Große Lungenwürmer, Kleine Lungenwürmer
Häufiger Parasit des Wildes; es gibt Große und Kleine Lungenwürmer. Nicht anzeigepflichtig, genusstauglich nach Entfernen der Lunge.
Magen-Darm-Wurmbefall
auch: Magenwürmer, Darmwürmer
Befall mit Magen- und Darmwürmern; genusstauglich, keine Anzeigepflicht; verursacht bei Schalenwild hohe Fallwildverluste.
Spulwurmbefall
auch: Spulwürmer, Rundwürmer
Rundwürmer mit Wanderung der Larven über Herz und Lunge; beim Schwarzwild an Milkspots der Leber erkennbar. Ansteckungsgefahr für den Menschen.
Setarienbefall
auch: Setarien
Rundwürmer der Gattung Setaria; keine Zoonose. Genusstauglich, Leber bei Befall nicht genusstauglich.
Kokzidiose
auch: Coccidiose, Kokzidien
Durch einzellige Kokzidien verursachte Erkrankung von Darm und Leber; kann Hasenbesätze stark dezimieren (v. a. Junghasen). Wildbret nicht genusstauglich.
Toxoplasmose
auch: Toxoplasmen
Durch Einzeller verursachte Erkrankung; beim Wild meist symptomlos; Zoonose.
Sarkosporidiose
auch: Sarkosporidien
Durch einzellige Parasiten verursachte Zystenbildung in der Muskulatur; Befall meist klinisch unauffällig. Beim Menschen als Fehlwirt kann stark befallenes Fleisch eine Intoxikation auslösen.
Babesiose
auch: Hundemalaria
Durch Babesia-Parasiten ausgelöste Infektion der roten Blutkörperchen; v. a. bei Hunden, übertragen durch Zecken. Zoonose.
Dasselbefall (Hautdasseln)
auch: Hautdassellarven, Dasselfliegenlarven
Larven der Dasselfliege unter der Haut; genusstauglich nach Entfernung betroffener Teile. Beeinträchtigung nur bei starkem Befall.
Rachenbremsenbefall (Rachendasseln)
auch: Rachenbremsenlarven, Rachendasselfliegenlarven
Larven der Rachenbremse im Rachenraum; genusstauglich.
Flöhe
Blutsaugende Außenparasiten, die lange ohne Wirt überleben und häufig auf Tieren mit Bauen/Nestern leben. Bedeutsam als Krankheitsüberträger und Zwischenwirt von Bandwürmern.
Läuse und Haarlinge
auch: Echte Läuse, Haarlinge, Federlinge
Außenparasiten, die nur wenige Tage ohne Wirt überleben; ausgeprägter Befall v. a. bei schwachen Stücken. Haarlinge sind Zwischenwirt des kürbiskernförmigen Bandwurms.
Lausfliegen
auch: Hirschlausfliege
Blutsaugende Außenparasiten, die v. a. Rot- und Rehwild befallen; krallen sich fest und werfen die Flügel ab (flügellose Überwinterung auf dem Wirt).
Zeckenbefall
auch: Gemeiner Holzbock
Blutsaugende Außenparasiten (Milben); häufigste Art ist der Gemeine Holzbock. Bedeutsam als Überträger von FSME, Borreliose, Tularämie und Babesiose. Wildbret befallenen Wilds ist genusstauglich.
Prionenerkrankungen
Transmissible spongiforme Enzephalopathie (TSE)
auch: BSE (beim Rind), Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (beim Menschen)
Durch Prionen (fehlgefaltete Eiweiße) ausgelöste, im Gehirn ablagernde Erkrankung mit neurologischen Störungen, der Tollwut ähnlich.
Körperkrankheiten / Sonstiges
Kreuzlähme (Schleuderkrankheit)
auch: Schleuderkrankheit
Erkrankung mit ungeklärter, möglicherweise infektiöser Ursache; betrifft Rot- und Muffelwild.
Verletzung / Knochenbruch
Äußere Wildkrankheit durch Verletzungen, z. B. nach Straßenverkehr, Landwirtschaftsmaschinen (Mahd) oder Schussverletzungen.
Abmagerung / schlechter Allgemeinzustand
Hinweis auf eine geschwächte Konstitution bzw. Grunderkrankung; erhöht die Anfälligkeit für Parasiten und Infektionen.
Bedenkliche Merkmale
Anhaltspunkte zur Beurteilung von Wildbret im Rahmen der Wildbrethygiene. Orientierungsliste; im Zweifel ist eine kundige Person bzw. amtliche Untersuchung hinzuzuziehen.
Vor dem Schuss – Verhalten
- Verlust der Scheu vor Menschen
- Zusammenbrechen ohne äußere Verletzung
- Fehlendes oder abnormes Fluchtverhalten
- Unkoordinierte Bewegungen
- Abnormale Lautäußerungen (z. B. Husten)
Vor dem Schuss – Zustand
- Schlechter Ernährungszustand (abgekommen/abgemagert)
- Glanzloses, stumpfes Fell
- Verschmutzter Spiegel (Durchfall)
- Schonen eines Laufes
- Schlechter Zustand des Haar- bzw. Federkleides
Nach dem Schuss – Allgemein
- Fallwild
- Unsauberer Schuss (z. B. Waidwundschuss)
- Lange Zeit bis zur Versorgung des Stücks
- Alte Schusswunde
Äußere Merkmale
- Kotverschmierte Hinterläufe (Durchfall)
- Verklebte Augenlider
- Verändertes Gefieder
- Geschwülste, Abszesse, Wucherungen
- Verhitzter, aufgetriebener Wildkörper
- Offene Knochenbrüche / Gelenkschwellungen
- Ekelerregender Geruch
- Brunft-/Rauschegeruch (z. B. Keiler, Hirsch)
- Muskelschwund
Innere Merkmale
- Geschwülste/Abszesse in der Muskulatur
- Entzündung von Organen (z. B. Herz)
- Schwellungen (z. B. Hoden)
- Knotige Durchsetzung (z. B. der Leber)
- Wuchernde Veränderung
- Verfärbungen
- Verklebungen
- Fremder Inhalt in Körperhöhlen
- Auffälliger Geruch
- Muskulatur abweichend in Farbe/Konsistenz/Geruch
- Gasbildung des Darms mit Verfärbung der Organe